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Einfach und glücklich Leben Rechtes Bemühen ist, wenn es Freude macht
Thich Nhât Hanh
Ein Glied des edlen achtfachen Pfads ist "rechtes Bemühen" (engl. right diligence). Von einigen
wird es als "rechte Anstrengung" (engl. right effort) bezeichnet, ich bevorzuge das Wort "Bemühen". Anstrengung macht müde. Wer sich bemüht, wird nicht müde. Ich möchte keine
intensive Praxis, sondern regelmässige Praxis. Manche praktizieren sehr intensiv einige Wochen lang und hören dann damit auf. Und es gibt diejenigen, die so praktizieren, dass es ihnen Freude
macht. Das ist rechtes Bemühen. Der Buddha hörte nach seiner Erleuchtung nicht auf zu praktizieren. Wir praktizieren also nicht, um wie ein Buddha zu werden. Der Buddha ist schon
ein Buddha, weshalb muss er praktizieren? Fragen Sie ihn, er wird Ihnen antworten: 'Weil es mir Freude macht." Er mag es, so zu atmen, so zu gehen, so zu sitzen, so zu essen. Es bringt ihm
Wohlsein. Die Antwort: 'Weil es mir Freude macht" ist eine sehr gute Antwort. Es gibt viele unter uns, die sich sehr bemühen, dennoch praktizieren sie nicht "rechtes
Bemühen", sondern "falsches Bemühen". Dies kann zu Leiden führen. Sie sind gefangen in ihrer Arbeit, sind workaholics, sie haben keine Zeit, sich um sich selbst zu kümmern, sie haben
keine Zeit, sich um ihre Liebsten zu kümmern. Sie sind völlig in ihrer Arbeit versunken. Sie können ihren Computer nicht verlassen, und selbst wenn der kleine Sohn kommt und fragt, ob
sein Vater mit ihm spielt, hat der keine Zeit. Auch am Frühstückstisch liest er die Zeitung. Anstatt seiner Familie zuzulächeln, versteckt er sich hinter seiner Zeitung. Er ist völlig gefangen
in seiner Arbeit, dabei ist er sehr bemüht, er denkt ständig an seine Börsenkurse, die steigen und fallen, und seine Stimmung bewegt sich mit seinen Aktien nach oben und nach unten. Er arbeitet
sehr hart, strengt sich sehr an, doch er ist dabei nicht glücklich.
Eine wahre Geschichte
Es gab einen Manager, der sehr erfolgreich war. Sein Name war Friedrich. Seine Frau Claudia
hat ihn sehr unterstützt und war auch sehr stolz, die Frau des Chefs der Firma zu sein. Sie liebte es, Empfänge zu organisieren, und sie sprach nächtelang mit ihrem Mann über die Ängste und
Hoffnungen der Firma: Beide waren davon überzeugt, dass Erfolg in der Arbeit ihr Glück bedeute. Doch Friedrich tauchte immer mehr ab, hatte keine Zeit, achtsam zu atmen und sich um
sich zu kümmern. Als sein Sohn Philipp ins Krankenhaus kam, hatte er keine Zeit, ihn zu besuchen, und Claudia wachte eine Nacht allein am Bett ihres Sohnes. Als schliesslich Claudia
sich einer Operation unterziehen musste, hatte er auch keine Zeit, ins Krankenhaus zu kommen. Er war völlig gefangen in seiner Arbeit, in seinem Wunsch, Erfolg zu haben. All seine Energie
benutzte er für die Entwicklung seines Unternehmens. Manchmal weinte Claudia in der Nacht. Sie sagte ihm auch, dass sie leide, dass er keine Zeit für sich und für seine Familie habe, für
seine zwei Kinder. Friedrich antwortete, dass sie sich gedulden müssten, denn keiner könne ihn zum jetzigen Zeitpunkt ersetzen. In der nahen Zukunft gäbe es hoffentlich jemanden, der das
könne, und dann hätte er auch mehr Zeit. Um ihrer Einsamkeit zu entfliehen, ging Claudia wieder an die Uni. machte noch ein Examen und engagierte sich in sozialen Projekten. Einige
Zeit darauf starb Friedrich bei einem Verkehrsunfall. Er wurde nur fünfzig Jahre alt. Seine Firma besetzte seine Stelle innerhalb von drei Tagen neu - obwohl er immer davon überzeugt gewesen
war, dass er nicht ersetzbar sei. Eines Tages kam Claudia nach Plum Village und hat uns ihre Geschichte erzählt. Unter uns gibt es viele Friedrichs und viele Claudias. die sich in derselben Situation befinden.
Wir wollen mehr und mehr und mehr. Und wir haben nicht die Fähigkeit, unser Leben wirklich zu leben, im Hier und Jetzt zu leben. Das ist nicht rechtes, sondern falsches Bemühen. Im
buddhistischen Verständnis sollte "rechtes Bemühen" auf diese Weise betrachtet werden.
Gehen wie der Buddha
Wenn wir von unserem Parkplatz ins Büro gehen, ist es möglich, so zu gehen, dass wir den
Boden der Realität berühren, das Leben berühren mit jedem Schritt. Wir gehen jedoch meist wie Schlafwandler, die mit ihren Gedanken schon im Büro sind. Doch dort gibt es nichts
Aufsehenerregendes. Weshalb also gehen wir wie Schlafwandler? Wieso lernen wir nicht, wie der Buddha zu gehen und jeden Schritt zu genießen? Jeder Schritt bringt Frieden, jeder Schritt
bringt Freiheit, jeder Schritt bringt Heilung, jeder Schritt hilft, das Leben mit all seinen Wundern tief zu berühren. Es ist nicht wirklich schwierig, das zu tun. Jeder kann es tun. der sich von der
Absicht befreit, sich immer zu beeilen und erfolgreich zu sein. Wir sollten in einer Art und Weise gehen. dass das Leben mit jedem Schritt möglich ist.
Ich bin angekommen, ich bin ganz und gar präsent bei diesem Schritt. Jeder Schritt, den ich mache, hinterlässt eine Spur meines Lebens. Jeder meiner Schritte trägt meine Handschrift.
(....)
(Den vollständigen Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift.)
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